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2010-03-03 21:39 von Janik ("lex") (0 Kommentare)
Wahrheit, Lügen, Intrigen. Tierbefreier intern
(leicht gekürzter und korrigierter Artikel aus Juckreiz #43)
Juckreiz Redakteur lex unter Mitarbeit von A.L.F.-Großbritannien Aktivistin Sophie Cormack* und A.L.F.-Deutschland Aussteiger Markus L. / Pseudonym*
Was ist dran an den Behauptungen, alle ALF-Aktivisten sind linke Radikale ohne Job und Anstand? Was sagen Tieraktivisten über Fleischessen, über das große Streitthema vegan kontra vegetarisch kontra Fleischessen? Haben ALF Aktive einen Götterkomplex? Lohnt sich der fast aussichtslose Kampf gegen die Tierlobby und ist es wert dafür als Terrorist abgestempelt zu werden?
ALF Aussteiger Markus L. gab den Anstoß für diesen Artikel, da ihm die ewige Debatte und der ewige Kampf gegen die „anderen“ Menschen durch die Veganer und radikalen Tierschützer auf die Nerven geht. 6 Jahre war Markus (29 Jahre) bei zwei deutschen ALF Gruppen, bis ihm die ständigen alten Reden und konservativen Einstellungen anderer Aktivisten das Arbeiten als Tierbefreier (oder besser ausgedrückt, Tierhelfer) keinen Spaß mehr gemacht haben.
Statistik
Befassen wir uns erstmal mit der allgemeinen Juckreiz ALF Statistik:
Wir haben 358 freie ALF (ex)Mitglieder in Europa, Australien und den USA nach dem Alter gefragt (während der ALF Zeit bei ex-Aktiven), sowie nach dem Geschlecht.
57% der befragten Aktivisten sind Frauen, 43% Männer.
- Das Durchschnittsalter liegt bei 26 Jahren.
Über die Anzahl von ALF Aktiven, ehemals Aktiven und Unterstützern Weltweit, haben wir bis jetzt keine genaue Zahl.
- ALF Aktivisten die Fleisch essen: 11
- ALF Aktivisten die Vegetarisch leben: 166
- ALF Aktivisten die Veganisch leben: 181
Schon hier zeigt es sich, dass, obwohl auf allen gängingen Tierbefreierseiten der O-Ton Veganisch ist, nicht jeder diesem Glauben frönt. Das weiss auch Markus, der miterlebt hat, dass die Veganer das „Sagen“ in einer Gruppe haben. Diskussion ist gleich null. Wer sich also nichts verscherzen wollte, hat lieber angegeben veganisch zu leben. „Der Drang etwas gutes zu tun und akzeptiert zu sein war halt stärker, als zum pseudo Tierschützer degradiert und komisch angeguckt zu werden.“
Übersee
Während in Deutschland die ALF Szene noch bescheiden ausfällt, und die meisten Aktionen „möglichst nach Gesetzt“ vonstatten geht, ist die Tierbefreiungsfront in England, Australien und den USA schon immer auf die Pole des Staatsfeind Nummer eins fixiert. Das mag auch daran liegen, dass dort mit die größten Versuchslabore der Welt stehen und in den USA große Nutztierlobbyisten große Macht haben die zu bekämpfen es gilt.
Sophie Cormack ist 22 Jahre jung, aber schon seit dem 15
Lebensjahr eine ALF Aktivistin in England. Angefangen hat sie, als
bei einem USA Urlaub die Familie zeuge einer ALF-Aktion war.
„Plötzlich flogen Farbbeutel und Stinkbomben auf ein
Firmengelände. Eine junge Frau und ein junger Mann sprangen wie wild
umher und besprühten das Tor mit -A.L.F. We watch yo...-. Weiter
kamen sie nicht, da das Sicherheitspersonal das Tor erreicht hatte.
Die Firma, ein Versuchslabor der kleineren Sorte, gibt es heute nicht
mehr. Das hat aber sicher weniger mit der ALF zu tun, als vielmehr
mit dem gesteigertem Anti-Versuchs-Verständnis der Menschen.
Jedenfalls, ich war dermaßen faziniert von der Situation, dass ich
nun auch etwas zuhause machen wollte. Also trommelte ich meine
Freunde zusammen, die auch mal remidemi machen wollten.
Tierschutz-remidemi
versteht sich. Per Internet ist man schon so lange
autark, dass es richtig spaßt macht, sich mit anderen Gruppen und
Leuten zu „verbrüdern“. Seit meiner Volljährigkeit geht es aber
erst so richtig los. Von Angriffen auf Versuchslabore, über
Mast-Blockaden bis hin zu Anti-Walfangaktionen in Übersee.“
Auf
die Frage ob sie auch zu der radikalen Veganer-Fraktion gehört,
folgt eine lange Pause.
„Sagen wir es mal so. Ich lebe radikal
Vegetarisch. Nichts gegen Veganer, aber es wird nie zu einem globalen
Veganertum kommen. Dafür sind viele Menschen einfach zusehr auf
Tierische-Produkte angewiesen. Eine vegetarische Kultur ist meines
erachtens jedoch irgendwann mal möglich.“
Ansichten
In der ALF Riege gibt es weit auseinander gehende Ansichten. So schreiben viele, dass der „Mensch aufhören sollte, sich als überlegene Spezies auszugeben und die Tiere nicht als ein Ding abstempeln sollten“. Oder aber „Den Tierhalter und vonsorten sollte man mal auch des Leben zur Hölle machen“
Selbst Tierschützer, die sich selbst als radikal sehen, macht das aber nachdenklich. So hat jedes Lebewesen das Recht auf ein, auf sein Leben. Auch der Mensch. Menschen die illegale, bzw. nicht konforme Tierfänge oder Haltung praktizieren, haben, zumindest in den weniger fortschrittlichen Ländern, öfters keine andere Möglichkeit um die Familie zu ernähren. „Da muss man dann auch mal innehalten und sich fragen, ob nicht das ganze menschliche Lebenssystem fehlerhaft ist und sich deswegen mehr um die Verbesserung der globalen Situation zu bemühen, anstatt sich um einen quasie aussichtslosen Kampf der Tierausbeutung zu schlagen, was nur ein Nebenprodukt unserer Gesellschaft ist“ so in einem Forum.
Schon je her geht es im Leben um die Stärkeren. Folgt der Mensch vielleicht nur seinem "soll" auch wenn es uns nicht passt? Wer kann schon sagen, was der Mensch machen soll, was er darf. Tierschutz oder menschlich sind Begriffe, die der Mensch erfunden hat, nicht die Natur. Ist es menschlich, Sterbehilfe zu geben? Die eine Hälfte sagt ja, die andere nein. Soll man, wie beim Berliner Zoo-Bären Knut, der von der Mutter ausgestoßen wurde, das Tier einschläfern wie von Tierschützern gefordert war, da es sonst ein nicht tierrechtliches Leben wär? Die Allgemeinheit der Tierschützer spricht jedoch von "behandelt die Tiere so, wie du einen Menschen behandeln würdest". Und einen Obdachlosen Einschläfern (da kein "schönes Leben")?
Wir gehen scheinbar immer nur von der ambivalenten Sicht des Menschen aus. Ohne Einheit. Ohne auch nur die Tierwelt zu verstehen, die scheinbar aus töten und getötet werden zu bestehen scheint. Seien wir mal ehrlich, wir kennen ja nicht mal uns.
Was IST also Tierschutz? Das "Tier" nicht mehr als Nahrung, als untergeben anzusehen oder doch eher "nur" eine bessere Haltung von Tieren? Oder was ganz anderes? Ohne einen gemeinsamen Nenner wird es weder Menschlich, noch Tierschutz geben.
Beispiel
Sophie, was ist Tierschutz:
"(...) Wo bleibt nur mein Getränk."
(Pause) Sophie?
"Ähm ja. (lacht) DAS sollen die Denker unserer Zeit
erarbeiten. Ich bin nur eine Soldatin, die macht, was ich persönlich
für richtig halte."
Darüberhinaus ist das Befreien von gequälten Tieren durchaus löblich, aber was bring es, wenn man aus einer Legebatterie 8 Hühner stibitzt, die „dem Besitzer bei tausenden von Tieren garnicht auffallen wenn diese fehlen“? Ändert das die Haltung des Nutztierhalters, wenn er garnicht weiss, dass jemand sich daran stört?
„Das ist zumindest ein deutsches Problem“ so Markus.
„Da werden Tiere befreit, und die Aktion auch öffentlich gemacht.
Aber woher diese Tiere stammen, oder was man macht um denn Tierhalter
zu einer besseren Haltung zu animieren, dass scheint niemanden zu
interessieren. Ich für meinen Teil habe eine Aktion unter mir aber
auch möglichst nicht aufgezeigt. Das liegt daran, dass ich niemanden
das Leben versauen möchte indem ich ihn in die Zeitung bringe.
Normalerweise habe ich einen Zettel mit Vorschlägen liegen lassen,
wie der Besitzer etwas ändern kann, ohne wirtschaftliche Einbusungen
zu haben. Die EU Subventioniert ja schließlich fast alles und jeden,
erst recht Ökobetriebe.“
„Ja. Das ist schon komisch. Die deutschen ALF Angehörigen sind doch (meistens) recht zurückhaltend. Dennoch besitzt dieses Land den Tierschutz im Grundrecht. Sie sind weiter mit weniger Aufwand. Fehlt nur noch eine Lobby, die das auch umsetzen will und kann„ so Sophie.
Hinter Gittern
Zumindest in einigen Ländern ist das Leben als Tierbefreier ein Geschäft, dass nicht selten mit Blut gezahlt wird. In Skandinavien wird schon mal von (Pelz)Farmbetreibern scharf geschossen, wenn eine Pelzfarm ziel einer Aktion ist. Alleine 2004 wurden offiziell 5 Aktivisten dort mit recht schweren Verletzungen behandelt. ALF Aktive müssen sich bei einer „Zirkusdemo“ schonmal schwer panzern, da gerade Zirkusbetreiber von einer guten Puplikrelation leben. Da werden dann Eisenstangen, Schaufeln und ähnliches benutzt um das Hinter die Tür spitzeln zu unterbinden.
„Ich frage mich immer
wieder, warum ein Zirkus noch auf Tiere zurückgreifen muss. Gibt es
denn nichts besseres, als Tiger durch Reifen springen zu sehen, oder
Elefanten im Kreis laufen zu sehen? Die Chinesen machen es doch vor.
Ein zweistunden Spektakel ohne auch nur ein Tier. Begeistern nur mit
ausgefeilter Akkrobatik und tollen einfällen. Und, ich bin zwar kein
Finanzexperte, aber ohne Tiere ist das Zirkusleben doch auch
billiger. Wem gibt man den Applaus im Zirkus? Dem Tier oder dem
Domteur? Dem Tier ist das ziemlich egal, dem Domteur gilt das ja
nicht. Ich bin ja dafür, nie zu applaudieren, wenn etwas mit einem
Tier aufgeführt wird, aber mehr Applaus bei menschlichen Auftritten.
Prioritäten setzen ist das Zauberwort. Jeder Kaperatist lässt ein
Sketsch weg, wenn kein (positiver) Input kommt. Wenn das nicht hilft:
eine Zirkusvorstellung sprengen, dass ist schon was. Die Zuschauer
werden auf das Leben der Tiere aufmerksam gemacht und die Betreiber
sind für einen kurzen Moment peinlich berührt. Für sowas kann man
schonmal für 24 Std. in Untersuchungshaft.“
Wohlgemerkt, Markus ist heute stellv. Vertriebsleiter einer Discounterfiliale. „Ich habe mich neben der ALF natürlich auch sozial engagiert, um so ein zweites Meinungs-Input für meinen Lebenslauf zu haben. Wenn in der Polizeiakte steht, Störung öffentlicher Veranstaltung und Missachtung des Demonstrationsverbotes, verurteilt zu 2 Tagen Haft, dann sollte man diese ungesetzlichen Handlungen durch eine gute Arbeit kompensieren. Yin und Yang. Die Chinesen schwören drauf. Im Leben scheint das auch zu klappen (lacht)“
In den USA gibt es mehrere ALF-Aktivisten die Eingesperrt sind. Dort ist die ALF (wie in England) eine terroristische Vereinigung und steht ziemlich nahe bei Al`Kaida auf der roten Liste.
„Was solls. Ich habe genug Geld. Eine sichere Arbeit. Freunde die mit mir durch die Hölle gehen. Ich werde noch ein paar Jährchen mit Aktionen füllen, dann kommt erst meine Zukunft dran.“ meint Sophia.
Was für Erfahrungen Markus und Sophie den schon gemacht haben möchte ich wissen.
"Altraumhaftes" fängt Sophie an,"in einigen Betrieben war der Gestank von Tierabfällen und Kadavern fast schon wie Säure in der Nase und den Schleimhäuten. Ab und zu kommt durch ein Trigger der Geruch wieder hoch. Dann muss ich aufpassen nicht plötzlich loszureiern in der Öffentlichkeit (lacht). Nur ein Nebenprodukt, wenn man sich ernsthaft mit radikalem Tierschutz beschäftigt."
"Mh. Schlechtes an sich viel zu viel. Das bezieht sich jedoch
größtenteils auf meinen ersten Tribe (Anm. Autor:
Tribes=Clans die
Weltweit von einer ALF clique geschaffen werden.). Da gab es oft
Unstimmigkeiten, wie eine Aktion aussehen soll. Ein Tribe besteht oft
aus 1/3 "Milizen" ich nenne diese Rambos die tatsächlich
nur auf unschöne Arten etwas bereinigen möchten, oft aber nicht
nur, rekrutiert sich diese Gruppe aus Linken, die sowieso alles
hassen; 1/3 aus Personen die lieber Öffentlichkeitsarbeit machen
möchten und der Rest sind junge Menschen aus gutem Haus, die einfach
nur etwas für Ihr Gewissen machen möchten. Zumindest die letzten
beiden Gruppen sollte es immer geben. Die können was verändern.
Ich habe dann auch mit einigen des Tribes einen neuen Tribe gegründet. Danach konnten wir tatsächlich sehr gut arbeiten. Wir haben auf Bauernhöfen mitgeholfen, um den Tierhaltern zu zeigen, was wir ok finden und was nicht. Wenn man Glück hat, findet man solche Bauern und Tierzüchter. Allerdings haben wir auch Tiere befreit. Logisch. Den Fuß habe ich mir mal während einer Aktion gebrochen. Meiner Freundin habe ich erzählt das ist beim Fussball passiert. Denn sie findet die ALF nicht berauschend. Deswegen habe ich es Ihr auch nie erzählt wer denn gerade vor Ihr steht. (lacht) Nicht die feine Art, aber was macht man(n) nicht alles um die Liebe zu schützen."
Um nicht noch weiter den Artikel kürzen zu müssen, bitte zwei
letzte Worte an die Leser.
Markus: "Ich hätte ein Experiment für Tierfreunde. Geht in einen Zirkus mit Tieren, während der Vorstellung mit Tigern oder anderen großem Geschütz ruft Ihr ganz laut "BUHH". Das verunsichert den Domteur, das wiederum verunsichert die Tiere, die sowas ja spüren. Das wiederum verunsichert den Domteur noch mehr. Die Tiere wittern ihre chance und stürzen sich auf den unvorsichtigen Domteur. Nach dem Gelage an den Zirkusbetreibern rennen diese aus dem Zelt und werden später von der Stadt eingefangen. Anschließend in einen Zoo gebracht, wo sie bis an Ihr Ende leben. Nicht gut, Aber besser. (lach)".
Sophie: "Tierische Rohstoffe (primär LM) zu erwirtschaften, darauf beruht das ganze Leben, in allen Fauna bereichen. Wenn es gut läuft, nennt man das Symbiose. Wir sollten nur achten, was und wie wir tierisches erwirtschaften oder ob es eine Berechtigung gibt (z.B. Nerzfarmen). Ist es wirklich das Fleischessen/das Tierhalten oder ist es die Quantität oder die Qualität der Tierhaltung/Tierausbeutung die viele Veganer und Vegetarier so auf die Palme bringen? Denkt mal darüber nach! In vielen Bereichen sollte das kredo lauten: Bekämpft die Situation, nicht die Sache. Der Stärkere (Mensch) darf sich bedienen, fehlt nur noch die (ethnische)Klugheit"
Links
http://www.tierbefreier.de/home.html
http://www.tierbefreier.de/alf/
http://www.directaction.info/
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